Ernteplanung Schritt für Schritt: Reihenfolge, Logistik und Puffer

Praxis 8 Min. LesezeitStand: 02.09.2026

Die Ernte wird in den Wochen davor gewonnen: Reihenfolge, Transportkette, Lagerbelegung und ein realistischer Wetterpuffer.

Ernteplanung ist Engpassplanung. Der Mähdrescher ist selten der Engpass – meist sind es Transport, Trocknung oder freier Lagerraum. Wer die Kette vom Schlag bis in die Zelle einmal durchrechnet, verliert im Sommer weniger Stunden.

Erntereihenfolge festlegen

  1. Kulturen nach erwartetem Reifetermin sortieren und mit den Vorjahresterminen abgleichen.
  2. Innerhalb der Kultur nach Standort ordnen: leichte, früh reifende Schläge zuerst.
  3. Schläge mit Lagergetreide oder Auswuchsrisiko vorziehen.
  4. Vermehrungsvorhaben und Qualitätspartien mit eigenem Fenster einplanen.
  5. Entfernungen bündeln, damit Transportwege nicht täglich wechseln.

Die Kette rechnen, nicht schätzen

GliedKapazität ermitteln überTypischer Engpass
Mähdrescherha je Stunde bei realistischem DurchsatzFeuchte, Schlagform
AbfuhrLadevolumen × Umläufe je StundeEntfernung, Straßenverkehr
Annahme am Lagert je Stunde Fördertechnikeine einzige Annahmestelle
Trocknungt je Stunde bei ZielfeuchteFeuchteschwankung der Partien
Lagerraumfreie Zellen je QualitätRestbestände aus dem Vorjahr

Wetterpuffer realistisch ansetzen

Rechne nicht mit der maximalen Tagesleistung, sondern mit nutzbaren Erntestunden. Ein realistischer Ansatz sind wenige gute Tage pro Woche in der Kernerntezeit. Wenn der Plan nur bei durchgängig trockenem Wetter aufgeht, ist er kein Plan.

Checkliste für die zwei Wochen davor

  • Technik gewartet, Verschleißteile und Ersatzteile bevorratet
  • Lager gereinigt, Zellen zugeordnet, Feuchtemessgerät kalibriert
  • Absprachen mit Lohnunternehmer, Handel und Nachbarn schriftlich fixiert
  • Personaleinsatz und Arbeitszeiten geklärt, Pausen eingeplant
  • Dokumentationsweg festgelegt: Erntemengen je Schlag direkt erfassen
  • Notfallplan für Ausfall von Drescher oder Trocknung

Erfasse Erntemengen und Feuchten je Schlag sofort. Diese Daten sind die Grundlage für Fruchtfolgebewertung, Nährstoffabfuhr in der Düngebedarfsermittlung und die Betriebszweigauswertung im Winter.

Häufige Fragen

Erst Weizen oder erst Raps?

Entscheidend ist die Reife und das Verlustrisiko: Raps mit Platzgefahr wird vorgezogen, ebenso Weizen mit Auswuchsrisiko. Am Ende zählt die Partie mit dem höchsten Verlust bei Verzögerung.

Wie viele Abfuhrgespanne brauche ich je Mähdrescher?

Das ergibt sich aus Durchsatz, Ladevolumen und Fahrzeit. Rechne die Umlaufzeit aus – bei größeren Entfernungen kippt das Verhältnis schnell auf drei Gespanne.

Lohnt eigene Trocknung?

Das ist eine Vollkostenfrage: Investition, Energie und Arbeitszeit gegen Trocknungskosten und Preisabzüge beim Handel, bewertet über mehrere Jahre mit unterschiedlichen Erntefeuchten.

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